Im Jahr 2020 machte der Tönnies-Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück Schlagzeilen, als es im Werk und in den überbelegten Unterkünften der Arbeiter:innen massenhafte Corona-Ausbrüche gab. Zeitgleich erschien der Sammelband „Das ‚System Tönnies‘ – organisierte Kriminalität und moderne Sklaverei“, in dem verschiedene Akteur:innen aus Gewerkschaften, Landwirtschaft, Tierschutz, Kirchen, Wissenschaft und Umweltverbänden ihre Erfahrungen mit dem größten deutschen Fleischkonzern schildern. Das Buch traf somit genau den Nerv der Zeit. Seitdem gab es mit dem „Arbeitschutzkontrollgesetz“ weitreichende arbeitsrechtliche Reformen in der Fleischindustrie. Die Probleme für Tierwohl, Umwelt und Arbeiter:innen sind damit trotzdem nicht gelöst. In einem zweiten Band (August 2022) ziehen verschiedene Autor:innen eine erste Bilanz und gehen auf weitere problematische Aspekte des „System Tönnies“ ein.
Als FAU Halle sind wir seit Längerem mit dem Tönnies-Werk in Weißenfels befasst. Dort steht der größte Schlachthof Ostdeutschlands, der in beiden Büchern auch behandelt wird. In einer Lesung mit den Mitautor:innen Dieter Wegner von der Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg und Diana Harnisch vom BUND Weißenfels wollen wir auch in Halle die Aufmerksamkeit auf die Zustände in der Fleischindustrie richten. Wir werden zudem zu den Erfahrungen osteuropäischer Arbeiterinnen in Weißenfels und zur Schwierigkeit gewerkschaftlicher Organisierung berichten. Kommt vorbei!

[ssba]